Sehenswürdigkeiten in Zwickau - Das Johannisbad


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Johannisbad als Perle des Jugendstils
und als Treffpunkt für Genießer

Hundert Jahre alt und doch vom Feinsten und Modernsten
Das Zwickauer Johannisbad ist eine Sinfonie in Weiß, Grün und Gold. Seit April 2000 haben die Muldestädter ihr bekanntestes Bad zurück.
Seit 1991 das Bad geschlossen werden musste, bangten die Alteingesessenen Zwickauer um den Erhalt des Denkmals, in dem "jeder zweite Bürger von Zwickau das Schwimmen gelernt haben will", wusste denn auch der Baubürgermeister Dietmar Vettermann zur Eröffnung die Bedeutung des neugotischen Bauwerkes zu umschreiben.
Im Johannisbad schneiden sich mehrere Linien: Da ist erstens der Stifter Samuel Schlobig, der zwischen 1850 und 1887 in Zwickau als Arzt tätig war und ab 1869 mit eigenem Geld Badehaus und Behandlungsstätten am Muldeufer errichten ließ.
Die von ihm gegründete Stiftung führte sein Werk fort und im Jahr 1904 wurden die Gebäude um den Schlobigplatz mit dem Johannisbad vollendet. Da kommt die zweite Linie der Zwickauer Persönlichkeiten ins Spiel:
Schwimmbecken, medizinische Bäder, irisch-römische Dampfbäder wurden von Gotthilf Ludwig Möckel in den Rahmen eines neugotischen Ensembles gesetzt.
Dem Architekten Möckel verdanken die Zwickauer viele prächtige Häuser aus der Gründer- und Kaiserzeit, die heute die Zwickauer Nordvorstadt wieder zu einem Wohnviertel mit viel Stil und Wohnqualität machen.
Von außen ist das Johannisbad mit einer der ersten Klinkerfassaden des Historismus in Sachsen versehen. Mit viel Liebe zum Detail wurden das Gebäude in den letzten vier Jahren wieder in einen bewundernswert guten Zustand versetzt. Die Details reichen vom feuervergoldeten Geländer am Schwimmbecken über geschnitzte Paneele an den Decken und an den sechzig Kabinen, die sich nach der Halle zu durch Vorhänge abgrenzen.
Die dritte Linie, die imaginär durch den prächtigen Bau läuft, ist die Verbundenheit der Zwickauer mit diesem Bad. Und diese ist es wohl auch gewesen die als treibende Kraft keine Ruhe ließ, bis die Sanierung beschlossene Sache war, bis die nötigen Gelder flossen.
Ein Förderverein sammelte selbst, rief Initiativen ins Leben und sorgte für ständige Information, auch als fast keine Hoffnung bestand die 13 Millionen Mark aufzutreiben, die nötig waren, um dem Bad wieder seine Funktion zurückzugeben und gleichzeitig die ursprüngliche Schönheit zu erhalten.
Verspielte Elemente wie Messingtiere und Wasserspeier, geformte Fliesen und gusseiserne Geländer geben dem Bad wieder sein Ambiente, wie es die eisten Zwickauer selber nicht mehr kannten.
1904 eingeweiht, blieben die meisten Einrichtungen bis 1991 ohne Erneuerung oder Sanierung in Betrieb. Die gesamte Wassertechnik war museumsreif. Darin, schildert der Vertreter der Lichtensteiner Bauconcept, lag auch die größte Schwierigkeit bei der Neugestaltung:
Alle Technik auf dem modernsten Stand, aber nichts davon ist zu sehen: Lüftung und Wasser erfüllen alle Normen des Jahres 2000, die Halle strahlt wieder in ursprünglicher Schönheit.
Hell fallen die Sonnenstrahlen durch das Oberlicht aus vier Stockwerken Höhe auf das Schwimmbecken und lassen das hellblaue Wasser schimmern, lassen eine Sünde der letzten vierzig Jahre vergessen.
Damals verdeckte eine gläserne Zwischendecke aus Milchglas den Blick auf die hohe Kasettendecke, sollte Energie sparen, trug aber mehr zu einer dumpfen Atmosphäre bei und störte die Bauphysik mit nachteiligen Folgen für Holz und Metall.
Das ist vergessen. Auch im Schwimmbecken ist moderne Technik eingezogen: Ein Hubboden macht verschiedene Tiefen möglich, und, bei Bedarf, kann der Boden auch zum über dem Wasser schwebenden Podest werden.
Das bewährte sich auch zur Eröffnung: Auf dem Podest, das die Hälfte der Wasserfläche überspannt und eben mit dem Beckenrand abschließt, saßen erst die Philharmoniker des Zwickauer Theaters, die passend zum Rahmen Georg Friedrich Händels Wassermusik spielten, dann bot die Fläche Platz für eine Balletteinlage der TanzCompanie des Theaters und natürlich für die Offiziellen der feierlichen Schlüsselübergabe.
Danach konnten die Gäste sehen, wie der Boden in sechs Minuten vollends in zwei Meter Wassertiefe verschwindet und das Becken für die Kunstschwimmerinnen des SC Flamingo frei gab.
Mit den Möglichkeiten des Hubbodens bietet das Bad auch den Rahmen für kulturelle Veranstaltungen: Konzerte, Theateraufführungen und nächtliche Diskos sind geplant.
Möglich wurde die Sanierung des Zwickauer Johannisbades durch die Anstrengungen vieler, als wichtigste Finanzquelle bewährte sich das Programm Urban der europäischen Union, das zum Ziel hat, vernachlässigte Stadtteile wieder lebenswert zu machen.
Mit der Sanierung des Erbes von Samuel Schlobig habe die Muldestadt einen wichtigen Schritt in diese Richtung getan, weiß Oberbürgermeister Rainer Eichhorn.
Weitere Gebäude werden mit Urban noch dieses Jahr fertig saniert, und die Stadtplaner verzeichnen wieder eine Wanderung der Wohnungssuchenden in Richtung Nordvorstadt, wo zu DDR-Zeiten der Verfall scheinbar endgültig eingesetzt hatte.

Aufwändig wurden die schönen Architekturdetails restauriert, die Wasseraufbereitung auf den modernsten Stand gebracht.

Das Johannisbad ist auch Domizil der Zwickauer Flamingos Foto: Stiegler

Die Außenfassade des Johannisbades wurde als neugotische Bachsteinarchitektur von dem Zwickauer Architekten Möckel gestaltet.

Leserbrief zum Thema Johannisbad


Lübeck, den 18. Juli 2008
Sehr geehrter Herr Dr. Stiegler!
Ihr Johannisbad ist ein wahrer Augenschmaus. Schön finde ich auch die Initiativen, welche die Zwickauer ergriffen haben, um einen Förderverein zu gründen. Ich bin total begeistert!

Eine ähnliche Liebe empfanden

auch die Bürger von Hamburg-Altona. deren altes Bismarck-Bad im März 2007 abgerissen wurde. Zwar war das Jugendstilgebäude schon durch neues Fensterglas und einen grottenhässlichen Anbau von Burger King sowie einer Umgestaltung der kleinen Halle verschandelt worden. Dennoch gab es genug, das hätte erhalten und liebevoll restauriert werden können. Die Ornamente und die herrliche Gewölbedecke in der großen Halle waren noch da. Von innen gesehen habe ich das Juwel nie - ich badete dort im Internet. Als ich auf Empfehlung meiner Nachbarin, die dort früher viel gebadet hatte, mir die Halle mal ansehen wollte, stand ich vor einer hässlichen Baugrube! So was tut weh!

Lübeck hätte auch ein Jugendstilbad haben können

, wenn der 1897 verfassten und dem Senat vorgelegten Denkschrift des Ersten Lübecker Schwimmvereins von 1896 Rechnung getragen worden wäre. Im Archiv lagern Architekturzeichnungen und ein Aquarellentwurf der Männerhalle, die einem in Begeisterung versetzen können. Lübeck bekam eine öffentliche Schwimmhalle erst 1959. Einen besonderen Wunsch habe ich: Zu gerne möchte ich mal technische Zeichnungen von einer Undosa-Wellenmaschine sehen, wie sie das alte Leipziger Stadtbad hatte.
Viele herzliche Grüße, Hildegard Jansen
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