Karosseriebauer Kurt Berge ist mit 100 Jahren genau so alt wie der Automobilbau in Zwickau

siehe auch Das Automobilmuseum "August Horch oder zur offiziellen Museumsseite - Automobilmuseum erhält originalgetreuen Nachbau des Auto Union Typ B - Der Trabi wird 50 Bestellungen zum Buch "Der Trabant wird 50!" hier

Hier geht´s zurück zur HOMEPAGE

Kurt Berge hat als junger Karosseriebauer bei Gläser in Dresden noch selbst vor 70 Jahren an der Fertigung solcher Autos mitgearbeitet.

Werner Lang, langjähriger Direktor für Technik bei Sachsenring Zwickau, zeigt Kurt Berge den Trabant mit Wankelmotor, mit dem die Versuchsbauer 1964 Tempo 140 auf der Autobahn gefahren sind. Fotos: Stiegler

Viele heutige Museumsautos gingen noch als Neuwagen durch die Hände von Kurt Berge

70 von 100 Lebensjahren mit dem Automobilbau verbunden

Zwickau im Oktober 2005. Behutsam streicht die knöcherne Hand über die Holzspanten der halb fertigen Gläserkarosserie im Zwickauer Automuseum. Kurt Berge hat als junger Karosseriebauer selbst in der Gläser-Manufaktur in Dresden an Horch-Luxus-Autos gearbeitet. Das ist über 70 Jahre her. Kurt Berge ist 100 Jahre alt. Kurt Berge ist fit und seine Augen leuchten ob der Überraschung, die ihm Werner Lang, selbst 84, mit der neuen Ausstellung im Horchmuseum bereitet hat. Der Teil Karosseriebau vor 70 Jahren, den die Museumsleute vor einer Woche eröffnet haben, lässt Kurt Berge ins Schwärmen geraten: „Das war ja noch einfach“, sagt er zur Herstellung des ausgestellten Gerippes einer Horch-Pullmann-Limousine, „kompliziert wurde es, wenn bei schnittige Formen von Sportwagen Krümmungen in mehreren Ebenen sein mussten“. Nicht immer gab’s Zeichnungen und detaillierte Anleitungen für die Arbeiten der Stellmacher, Sattler und Sprengler, manche Arbeiten gerieten unter den geschickten Händen von Spezialisten als frei gestaltete „Kunstwerke“. Als nach dem Krieg Karossen für den DKW F8 gebraucht wurden, waren sämtliche Vorlagen weg. „Wir haben dann ein Auto auseinander genommen und Teil für Teil nachgebaut“, erinnert sich der Veteran. 50 Jahre war er in der Dresdener Fabrik für Autokarosserien beschäftigt, hat sich dort vom Stellmacher bis zum Abteilungsleiter emporgearbeitet. Interessiert erfragt er Details zum Zwickauer Automobilbau und gerät schnell mit Werner Lang, der selbst 35 Jahre Technischer Direktor bei Horch und Sachsenring in Zwickau war, ins Diskutieren.
Zwei Stunden durchstreifen die Besucher die Ausstellung und der 100-Jährige zeigt keine Müdigkeit, Werkstätten, Kontorräume von August Horch, Ausstellungen feinster Edelkarossen, die Geschichte des Kleinwagens DKW in Zwickau bis hin zum Trabi werden mit großer Aufmerksamkeit studiert. „DKW, das kleine Wunder fährt Berge rauf und wieder runter“, entschlüpft ihm ein alter Spruch der dreißiger Jahre. Die lebendige Ausstellungsgestaltung eines Stückes der Zwickauer Stadtgeschichte mit Autos, Läden in einem nachempfundenen Straßenzug imponiert dem alten Mann.
Fachkundig schöpft Werner Lang aus seinem nie versiegenden Detailwissen über die 100jährige Autogeschichte in Zwickau und Sachsen. Aufmerksam genießt der Veteran die Neuigkeiten und Repliken zum Automobilbau, steuert eigenes Wissen aus dem Karosseriebau bei.
Kurt Berges Neffe erzählt: „Eine weitere Leidenschaft des 100-Jährigen sind Reisen. Gerade hat er mit seiner Bekannten, die ihm oft begleitet, wieder eine 10tägige Alpentour durch Österreich gemacht.“ Bei der genauen Reiseplanung, die er sich nicht nehmen lässt, genießt Berge jedes Mal die Vorfreude auf die Tour. Aber seine große Leidenschaft sind immer noch Autos: Als Werner Lang auf den Trabant deutet, in dem die Sachsenringwerker 1964 einen Wankelmotor eingebaut hatten, zeigt sich Berge genauestens informiert: „Die Japaner bauen den Kreiskolbenantrieb ja heute noch in den Mazda RX-8 ein.“ 100 Jahre hindern Berge nicht daran, Fachzeitschriften zum Automobilbau zu studieren. Schnell vertiefen sich die betagten Experten in die Details: Woran hat’s denn gelegen, dass die Kreiskolbenpläne der DDR 1967 in den Papierkorb landeten? Punkt für Punkt werden die Probleme beim Kühlen, beim Spritverbrauch, bei der Abdichtung der Kolben bis hin zur notwendigen Werkstattplanung beleuchtet.
Erst als sich der betagte Autofan ein Mittagsmenü in der Speiskarte des Museumsrestaurants auswählt, greift er in die Tasche, um sich eine Brille auf die Nase zu setzen: „Zum Lesen brauche ich sie doch manchmal“, sagt er entschuldigend. Autofahren, er steuert immer noch seinen Corsa selber, geht noch ohne Nasenfahrrad.
Theo Stiegler Audifront: Kritisch prüft Kurt Berge das Cockpit des Audi Front 225 aus dem Jahr 1935, gerade so, als ob er gleich losfahren möchte: „Kupplung geht etwas schwer.“ Holzrahmen: Genau so wurden damals die Karossen bei „Gläser“ in Dresden hergestellt. „Das Gestell ist aber noch eine einfache Konstruktion, schwierig wurde es, wenn Sportwagen mit komplizierten Kurven verlangt wurden“. Wankelmotor: Trabant mit Wankelmotor. 1964 fuhr Werner Lang, links, mit dem Auto mit 140 Kilometer pro Stunde Geschwindigkeiten auf der Autobahn. Fotos: Theo Stiegler


Unermüdlich wurden bei Sachsenring in Zwickau neue Prototypen von Autos entwickelt. Der P603 war 1967 produktionsreif. Hätte das Politbüro der SED die Produktion freigegeben, wären die Zwickauer 1968 mit dem ersten Vollheckfahrzeug der Welt 5 Jahre vor dem Golf auf dem Markt gewesen.


Motorenbaukunst der Zwickauer in den zwanziger Jahren, da war Kurt Berge selbst noch ein junger Mann.



Mail to Stiegler




Besuche "Kurt Berge" counter
Besuche DerZwickauer counter
hier geht´s nach oben und
hier geht´s zurück zur Homepage