Samstag, 24. Juli 2021
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ZWICKAU

Von Zwickau bis Dresden - Immer mit dem Automobilbau verbunden

Die Gläser-Karosserie GmbH war eine deutsche Karosseriefirma mit Sitz in Dresden, die vor allem als Hersteller von Cabrio-Karosserien nach Maß bekannt war. Das Unternehmen wurde im Jahr 1864 gegründet und bestand nach einigen Kriterien bis 1952.

1864 gründete Carl Heinrich Gläser (1831-1902), damals von Beruf Sattler, an der Rampischen Allee (Rampischen Gasse 6), nahe der Frauenkirche, in Dresden eine kleine Fabrik zur Herstellung von Kutschen und Schlitten.

Die Qualität der von ihm hergestellten Kutschen und Chaisen führte zu Aufträgen aus den königlichen Ställen in Dresden. Das Geschäft erstreckte sich auch auf das Aufpolstern, Lackieren und Veredeln von Kutschen, die von anderen Herstellern als Grundkörper geliefert wurden. 1898 wurde Friedrich August Emil Heuer, der bis dahin zu den Herstellern gehörte, die unfertige Kutschen lieferten, Mitinhaber der Firma Gläser. Heuer betrieb zu diesem Zeitpunkt eine eigene Schmiede und Kutschenwerkstatt in Radeberg, etwa 18 km östlich der Stadt, aber die Zusammenarbeit mit Gläser war schon lange etabliert: Er hatte bereits 1885 Gläsers Tochter geheiratet. Als Gläser, inzwischen über 70 Jahre alt, 1902 starb, war Heuer alleiniger Inhaber des florierenden Unternehmens, das den Namen seines Schwiegervaters trug.

Der Krieg endete im Mai 1945 mit Sachsen in der sowjetischen Besatzungszone im verbliebenen Deutschland. Trotz der Zerstörung Dresdens war das Gelände der Gläserkarosserie außerhalb der Stadt in Radeberg nicht zerstört worden. Dennoch gab es eine Zeit großer Ungewissheit, was aus dem Betrieb unter sowjetischer Verwaltung werden würde, während viele Maschinen und Werkzeuge ihren Weg in die Sowjetunion fanden, sowohl als Teil des zwischen den Siegermächten vereinbarten Reparationspakets, als auch weniger formell.

Das Territorium wurde nach sowjetischen Vorgaben umgestaltet, die private Unternehmen nicht begünstigten. Die Gläserkarosserie entstand wieder als Volkseigener Betrieb (VEB), der "VEB Karosseriewerk Dresden (KWD)". Die Produktion wurde mit einer Reihe von einmaligen Sonderanfertigungen für die Besatzungsmacht wieder aufgenommen. 1947 begann die Serienproduktion von Cabriolet-Versionen des IFA F8, der praktisch ein kaum veränderter Nachfolger des Vorkriegs-DKW F8 war. Zwei Jahre später, im Oktober 1949, wurde die sowjetische Besatzungszone durch die von der Sowjetunion unterstützte Deutsche Demokratische Republik abgelöst: Die Teilung Deutschlands in zwei getrennte Staaten war offensichtlich endgültig geworden. Bis 1953 wurden bei KWD (ehemals Gläserkarosserie) in Sachsen 43.600 Karosserien gefertigt.

In den 1980er und 1990er Jahren wurden im KWD-Werk Radeberg Kombiwagen mit der Karosserie des Wartburg 353 "Tourist" montiert.
Im Laufe der 1950er Jahre fertigte das Unternehmen auch Karosserien für Wartburg-Modelle und für den in geringer Stückzahl produzierten Sachsenring P240. 1956 kam eine Cabrio-Version des Wartburg 311 hinzu, von der bis 1960 2.670 Exemplare fertiggestellt wurden, als diese Variante eingestellt wurde. KWD beteiligte sich auch an der Entwicklung der Kunststoffverbundkarosserie des AWZ P70 Zwickau, der wiederum ein Vorläufer des bekannteren Trabant war. Zwischen 1968 und 1990 wurden im Werk die "Tourist"-Variante (Kombi) des Wartburg 353 und dessen Volkswagen-Nachfolger, der Wartburg 1.3, gefertigt. Zu dieser Zeit fertigte KWD auch Bastei-Wohnwagen in drei nahe gelegenen Außenwerken in Dresden, Rosenthal und Wilsdruff. In den 1970er und 1980er Jahren wurden die KWD-Aktivitäten zunehmend mit denen des Wartburgs verflochten.

Nach der Wiedervereinigung, formell im Oktober 1990, änderten sich die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen dramatisch. 1994 wurde der "VEB KWD" privatisiert und wurde zu einem bedeutenden Zulieferer von Bodenblechen und einer Vielzahl anderer Stahlblechkomponenten für Volkswagen und die deutsche Autoindustrie im Allgemeinen. Heute ist er Teil der Schnellecke-Gruppe mit Sitz in Wolfsburg.

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