![]() Das Volkswagenwerk in der Muldenaue bei Zwickau
| ![]() Erster Golf im Februar 1991 präsentiert von Gerd G. Heuß
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Modernste Automobilproduktion bei ZwickauEine Viertelmillion Volkswagen jährlich aus Zwickau, der Nutzen ist spürbar bis in den Blumenladen Bei Gesprächen über Volkswagen Sachsen versäumt es Rainer Eichhorn, bis 2001 Oberbürgermeister von Zwickau, niemals die Gelegenheit, in seine Fotokiste zu langen: Gleich neben der Sitzecke im Arbeitszimmer des Zwickauer Oberbürgermeisters liegen die Fotos griffbereit: Oberbürgermeister Rainer Eichhorn mit Carl H. Hahn im Zimmer des Vorstandchefs von Volkswagen in Wolfsburg Anfang der neunziger Jahre oder Oberbürgermeister Rainer Eichhorn im trauten Familienkreis des Porscheenkels und heutigen Vorstandschefs von Volkswagen, Ferdinand Piëch. Die Verbindung hatte Eichhorn schon geknüpft als Piëch noch Audichef in Ingolstädter war.Eine Region an einem StrangDie Ansiedlung des größten deutschen Automobilherstellers, Volkswagen, in Westsachsen 1990 hat die Menschen auf die Beine gebracht. Da sei von einer Eingemeindung des Dorfes Mosel nach Zwickau noch nicht mal die Rede gewesen, malt Eichhorn gern das Bild des regionalen Denkens, das in Westsachsen dominierte. Als die Anzeichen für eine ernsthafte Ansiedlung von Volkswagen deutlich wurden, herrschte über alle Schranken hinweg Einigkeit: Das ist die Rettung des sächsischen Automobilbaus. Unter dem Titel "Eine Region formiert sich" wurden kommunale Arbeitsgruppen gebildet, die im Umfeld von Volkswagen Wirtschaftsförderung über die Stadt- und Gemeinde- und Kreisgrenzen hinweg erfolgreich betrieben. Automobilbautradition seit 1904 Seit 1904 August Horch den Automobilbau nach Zwickau brachte, war die Muldestadt eine der Hochburgen deutschen Fahrzeugbaus. Horch, Audi, Wanderer, DKW und die 1932 in Chemnitz gegründete Auto Union mit ihren legendären Silberpfeilen, die zwischen 1934 bis 1937 die Rennpisten beherrschten, waren in aller Munde. Auch nach 1945 blieb Zwickau Automobilbauerstadt: 30 Jahre Trabantproduktion hinterließen aber mehr Chaos als Know how.Erste Kontakte in den AchtzigernSeit 1984 gab es den Willen zu einer Zusammenarbeit des damaligen Trabantherstellers Sachsenring Zwickau mit Volkswagen. Die selbstgebaute Sackgasse des Beharrens auf der Zweitaktmotorentechnik ließ sich nicht mehr aus eigener Kraft überwinden. Für Chemnitz wurde eine Motorenproduktion gemeinsam mit Volkswagen auf der Basis des Polomotors geplant und zwischen 1984 und 1988 eingerichtet.Zunächst kamen die FranzosenSchon Ende der siebziger Jahre hatte diese Zusammenarbeit auf der Tagesordnung gestanden. Damals entschied das Politbüro noch: Mit Volkswagen könnten sich zu viele Emotionen der DDR-Bevölkerung verbinden. Der französische Citroën-Konzern erhielt den Zuschlag für den Bau eines Gelenkwellenwerkes in der Muldenaue bei Mosel. Die Befürchtungen der DDR-Oberen bestanden zu Recht. Die Menschen der Region haben Volkswagen angenommen, und man könnte manchmal glauben, der Stammsitz von VW wäre Zwickau. Natürlich fahren in Zwickau und den umliegenden Kreisen die Menschen vorzugsweise Volkswagen.Erste Volkswagen aus SachsenMit der politischen Wende wurde in mehreren, schnellen Schritten das Engagement unter der Leitung des damaligen Vorstandsvorsitzenden Carl H. Hahn von Wolfsburg aus vertieft. Aus der vertraglichen Zusammenarbeit wurde 1990 ein Joint Venture, dem aber schon im Dezember ´90 die Gründung der Sächsischen Automobilbau GmbH unter Volkswagenregie folgte.
Praktisch geschah folgendes: In dem Werk, das Sachsenring noch zwischen 1987 und 1990 auf der grünen Wiese in der Muldenaue bei Mosel bauen ließ, um die Trabantproduktion mit Volkswagen Motor kapazitiv aufzubessern, lief bis September 1990 der Trabant mit dem Viertaktmotor aus Chemnitz vom Band. Aber bereits im Mai 1990 wurden gleichlaufend die ersten Polomodelle auf diesen Bändern montiert.
Nagelneues Werk für eine Viertelmillion AutosEine weitere tiefgreifende Entscheidung wurde getroffen: Schon im September 1990 wurde der Grundstein für ein eigenes Werk der Volkswagen Sachsen GmbH neben der damaligen noch neuen Trabantfabrik durch den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl gelegt: Ein komplettes Automobilwerk mit Presswerk, Karosseriebau, Lackiererei und Montagehallen für 250.000 Automobile Jahresproduktion war kurzfristig auf den Reißbrettern entstanden und sollte bis 1994 die Produktion aufnehmen.
Provisorium zum ÜbergangEigentlich mehr als Trainingsfabrik für die sächsischen Automobilbauer lief die Poloproduktion im damals auch neuen "Trabantwerk" in Mosel weiter. Schnell fiel die Entscheidung, anstelle des Polo tritt der Golf. Carl H. Hahn damals: "Die Menschen in den neuen Bundesländern sind, scheint´s, zu lange mit kleinen Autos gefahren. Der Bedarf richtet sich auf den Golf". Für die ersten Volkswagen wurden noch die Karosserien aus Wolfsburg angeliefert.Golf wird zum RennerMit der Golfproduktion begannen die Zwickauer auf dem Gelände des Sachsenringwerkes mit dem Rohbau der Karosserien für Volkswagen. Der letzte Trabant wurde am 30. April 1991 in Zwickau gefertigt. Schnell war die neue Halle für den Karosserieneubau in Mosel aus dem Boden geschossen. Aus dem anfänglichen Provisorium der Produktion in den alten Hallen war schnell eine ernst zu nehmende Golfmontage geworden.Atemberaubende EntwicklungenDas atemberaubende Tempo der ersten Aufbaujahre war nur möglich, weil in Sachsen alle an einem Strang zogen.![]() Gerd G. Heuß leitete den Aufbau des Volkswagenwerkes bei Mosel und des Motorenwerkes in Chemnitz in den entscheidenden Jahren von 1990 bis 1999. Für die vielen Genehmigungsverfahren wurde vom Chemnitzer Regierungspräsidum ein Arbeitsstab eingerichtet, der sich wöchentlich bei Volkswagen traf. Alle Genehmigungsverfahren zum Aufbau der Infrastruktur liefen korrekt, wie der damalige Regierungspräsident Stefan Altensleben gern betonte. Aber sie liefen anders: Alle Genehmigungsbehörden saßen an einem Tisch. Papiere, für die es in normalen deutschen Genehmigungsverfahren monate- und jahrelange Wege von Antragsteller zur Behörde, wieder zurück, nachbessern, ändern, hin und her gibt, wurden in Mosel an einem Tisch und in Stunden abgewickelt. Geschwindigkeit und QualitätDass die Qualität der Genehmigungsverfahren nicht darunter litt, wird heute deutlich: Volkswagen in Zwickau/Mosel schafft alle Zertifikate für europäische Normen der Umweltverträglichkeit spielend, zeigt sich als modernes, für die Zukunft gebautes Werk. Das Zusammenspiel der Behörden zur Unterstützung der Ansiedlung war nicht ganz freiwillig: Volkswagen hatte zur Bedingung gemacht, dass alle Versorgungssysteme von der Energie über Wasser, Telefon und Autobahnanschluss bis 1994 fertig sein müssten. Unabhängig von der Automobilproduktion entstanden in kürzesten Zeiträumen modernste Infrastrukturen.Infrastruktur für die ganze RegionDie Stadt Zwickau erhielt einem Autobahnzubringer mit vier Spuren an die Bundesautobahn A4. Der langjährige Chef des Mosler Werkes, Gerd G. Heuß, erinnert sich, wie in den Anfangsmonaten die Telefonverbindung nach Wolfsburg ging: Nachmittags fuhr einer mit dem Auto und dem Funktelefon auf die Berge um Zwickau und erledigte die dringenden Telefonate. Das änderte sich schnell, und mit dem Aufbau der Infrastruktur für das Werk wurden für die ganze Region die Bedingungen schnell besser.Bewusstsein langjähriger SicherheitEine andere Schwierigkeit tat sich auf: Mit der Tarifentwicklung hatten die alten Sachsenringwerker im Treuhandbetrieb eine schnelleren Lohnanstieg als in Mosel erlebt, und als der Bedarf an Facharbeitern in Mosel wuchs, entstanden dort plötzlich Engpässe. Erst, als das Bewusstsein für ein langfristiges Denken geweckt wurde, wuchs die Bereitschaft zum Wechsel. Rechtzeitig. Mit dem Jahr 1993 stand plötzlich wieder alles auf der Kippe.1993: Streckung bei den InvestitionenDie Automobilkrise hatte Europa und Mosel kalt erwischt. Zwar waren die Fabrikanlagen komplett von außen im Rohbau fertig anzusehen. Der Ausbau mit Fertigungsanlagen im Inneren der Lackiererei und den Montagehallen wurde mit Vorstandsbeschluss von Volkswagen per Januar 1993 gestoppt. Ein langes und zähes Ringen um den Weiterbau wurde durch viele Schrecksekunden oftmals auf eine harte Probe gestellt. Das Presswerk und die werksinterne Infrastruktur wurden dennoch weiter aufgebaut. Erst 1995 kam das Signal für den Weiterbau der neuen Produktionsanlagen für Lack und Montage, für die Vergabe von Produktionsanteilen des neuen Passat nach Mosel.Dann zählte schon die LeistungEine wichtige Rolle für diese Entscheidung wird der bis 1995 erbrachten Arbeitsleistung und Produktionsorganisation in Mosel zugemessen. Von Anfang an eroberten sich die sächsischen Arbeiter den Ruf, eine besonders hohe Qualität zu liefern. Durch ein ausgefeiltes Auditverfahren und eine besondere Philosophie wurde dies erreicht. Teams von rund zwölf Mitarbeitern zeichnen für die von ihnen gelieferten Arbeiten verantwortlich. Ein scheinbarer Widerspruch wurde und wird widerlegt: Hohe Arbeitsleistung und hohe Qualität sind gleichzeitig möglich. Damit wird mit großer Effizienz in Zwickau/Mosel und in der Chemnitzer Motorenfertigung ein Ergebnis erzielt, dass im Konzernmaßstab nicht laut propagiert wird, dem man aber gern zuschreibt: Ferdinand Piëch sieht im sächsischen Volkswagenwerk einen Musterbetrieb.Modernste ArbeitsorganisationDas ist auch eine Organisationsleistung: Im Werk Mosel werden nur etwa ein Fünftel aller Arbeiten an einem Golf oder Passat erledigt. Vier Fünftel der Arbeitsumfänge wird in den eher kleinen Betrieben vor den Toren des Volkswagenwerkes und bei Lieferanten aus der ganzen Welt erledigt. Das komplette Cockpit mit allen Kabeln, Instrumenten, Pedalen für Bremse, Kupplung und Gas sowie Lenkung und Lüftung und Klimagerät wird als Ganzes, als Modul, in einem Betrieb des Automobilzulieferers VDO im Zwickauer Ortsteil Crossen gefertigt und auf die Minute genau an den Einbauort geliefert.Just-in-time ins Drei-Minuten-FensterDabei gilt es zu beachten: Nahezu jedes Modul ist anders. Schalter für Sitzheizung oder nicht, Radio Beta oder Gamma, Grundkörper grau oder schwarz, es werden etwa 5000 verschiedene Modulvarianten angepasst an den Kundenwunsch geliefert. Da Mosel erst vier Stunden vor Einbau weiß, welches Cockpit gebraucht wird, haben die Frauen und Männer an den Montagestrecken in Crossen nur wenig Zeit, die richtigen Sortimente zusammenzustellen, anzubauen, zu prüfen und auf den Lkw zu laden, der die passenden Module rechtzeitig an der richtigen Stelle im Mosler Werk andockt.Vier Stunden von der "Taufe" bis zum EinbauVier Stunden bleiben nur Zeit, weil erst mit dem Einschwenken der Karosserie aus der Lackiererei der Computer die Abrufe für die Modulhersteller vergibt. Das ist der Augenblick, wo alle Modulhersteller, neben VDO noch weitere 14, per vernetzten Computern einen Ausdruck erhalten, der die Konfiguration des benötigten Moduls enthält.Wie eine Schweizer UhrFür diese logistische Leistung unter dem Titel „Produktion in Partnerschaft“ erhielt das Moseler Volkswagenwerk 1998 den „Deutschen Logistikpreis“. Der damalige Sprecher der Geschäftsführung, Gerd G. Heuß, sagte dazu: In fünf Jahren Just-in-time Produktion habe es nicht einen Stillstand in der Produktion auf Grund von fehlenden Baugruppen gegeben. Das System läuft mit der Präzision und der Zuverlässigkeit einer Schweizer Uhr. Wesentlicher Faktor hier sei aber, die motivierte Arbeit jedes einzelnen Werkers. Mit dieser Leistung ist die besondere Effektivität der Arbeiten in Mosel verbunden. Während noch im europäischen Maßstab und über die Markengrenzen hinweg durchschnittlich 30 Mannstunden für die Montage eines Pkws der Golfklasse angesetzt werden müssen, rechnet man in Zwickau/Mosel mit 20 minus x. Seit 1997 laufen hier auf zwei parallelen Montagestraßen Passat und Golf im Zwei-Minuten-Takt von den Bändern.Gerüstet für den globalen Wettbewerb1998 wurden in Mosel erstmals mehr als eine Viertelmillion Autos produziert. Mit dieser Effektivität ist aber auch die Zuversicht der Belegschaft verbunden: Wir sind gerüstet für den globalen Wettbewerb. Über 25.000 Menschen der westsächsischen Region rechnet Volkswagen, haben ihren Arbeitsplatz bei oder durch Volkswagen. Rainer Eichhorn hat für sich den ersten in Mosel vom Band gelaufenen Passat gekauft. Da hat sich des Oberbürgermeisters Situation inzwischen wesentlich gebessert: Mit dem ersten Polo aus Mosel als Dienstwagen sei er als Oberbürgermeister 1990 noch hundert mal kontrolliert worden, als er zu einem Oberbürgermeistertreffen deutscher Großstädte in Berlin einfuhr. Auch das Pro-Kopf-Einkommen der Westsachsen und Zwickauer wird vom Statistischen Landesamt für Sachsen in Kamenz als über dem Landesschnitt liegend ausgewiesen. Die Aussage: Auch die Blumenverkäuferin in Zwickau wird die Anwesenheit von Volkswagen spüren, die ein Politiker 1990 getan hat, wird inzwischen von niemand mehr angezweifelt. |
![]() Bereits am 10. September 1992 konnten die Volkswagenmitarbeiter den 100000. Golf ausliefern
1991 wurde der Golf in den Hallen montiert, die ursprünglich seit 1997 für den Trabant erbaut wurden.
Der Einmillionste Golf lief am 28. Februar 2005 von der Linie.
Justage der Türen in der Karosseriefertigung im November 2005
Anbau der vorderen Kotflügel an den Passat B6
Montage der Karosserie
Das Verbinden von Karosserie und Antriebssatz heißt in der Automobilindustrie Hochzeit
Das Modul Cockpit vorm Einbau an der Linie
Montage des Cockpits"
Triebsatzmontage im Volkswagenwerk Mosel
Passat vor der Auslieferung
Vormontage des Moduls Cockpit beim Automobilzuliefer VDO in Zwickau-Crossen.
Familientag im Sommer 2005.
Die Lackiererei mit ihren Abluftkaminen ist das weithin sichtbare Outfit des Moseler Volkswagenwerkes.
Golf und Passat können bei Volkswagen Mosel im Mix montiert werden.
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