| Nun ist das nichts Neues: Liebhaber, die verschmäht wurden, teilen ihren
Freunden mit, die Gunst der Braut habe sie eh nicht interessiert. Bei
Teenagern kommt das häufig vor, mit der Lebenserfahrung lernen intelligente
Burschen schnell, dass dies ein sicherer Weg in die Lächerlichkeit ist.
Bisher war man in Zwickau eher von Sozialdemokraten gewohnt, dass sie
öffentlich bekanntgaben, sie stünden für ein Amt nicht zur Verfügung, bevor
sie überhaupt jemand gefragt hätte, ob sie´s denn haben wollten.
Der Mittvierziger Frieder Badstübner schließt nun dicht auf und überholt das
Feld der Möchtegerns: Obwohl feststeht, dass die Riege der Bürgermeister vom
Stadtrat gewählt wird und von 48 Stimmen auf den jetzt entfärbten ehemaligen
Grünenpolitiker Badstübner höchstens eine Stimme, nämlich seine eigene
entfallen könnte, teilt der medienflinke Methodistenpastor mit: Er stünde
unter einem Oberbürgermeister Dietmar Vettermann nicht als Bürgermeister zur
Verfügung, die Politik des Christdemokraten könne er nicht mittragen.
Aufmerksame Leser haben erfahren, Badstübner stünde für mehr Familienpolitik
und die Kultur liege ihm am Herzen. Konkretes war nicht zu erfahren. Da hat
doch der neu gewählte Oberbürgermeister schon mehr gucken lassen: Belebung
der Innenstadt durch bürgerfreundliche Öffnungszeiten der Ämter und des
Marktes beispielsweise. Beobachter wissen, dass sich Badstübner regelmäßig
im Stadtrat zu Wort meldet, meist in der Qualität: Oberbürgermeister
Eichhorn sagte, die Erde sei eine Kugel, und Badstübner hält ein Koreferat
mit dem Inhalt, er bestehe darauf , die Erde sei rund. Da hat er´s dem
Oberbürgermeister aber wieder gegeben, alle lauschen gebannt. Wie gut und
viel der Mann doch reden kann.
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