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Die Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauß am Zwickauer Gewandhaus
Betrogene Betrüger und viel Vergnügen bei rauschenden Festen und schwungvollen Liedern werden durch viel Beifall belohntZWICKAU, am 3. Dezember 2010 – Gabriel Eisenstein, Johannes Wollrab, ganz Lebemann teilt gern aus, auf Kosten anderer amüsiert er sich und ganze Gesellschaften. Eisenstein liebt die Frauen, obwohl er doch zu Hause die äußerst attraktive Rosalinde, Juliane Schenk, zur Gattin hat, so ist er einem Abstecher auf das frivole Fest des Prinzen Orlofsky nicht abgeneigt. Natürlich geht er hin, um dort viele süße Ballettratten zu treffen. Rosalinde, die flotte Ehefrau, ist auch kein Kind von Traurigkeit. Die Operette kann beginnen. Am Freitag hatte „Die Fledermaus“ von Johann Strauß am Zwickauer Gewandhaus Premiere. Mit donnerndem und lang anhaltendem Applaus feierte das Zwickauer Publikum nach dem letzten Vorhang die Wiederkehr seines geliebten Musiktheaters. Keine Experimente mehr. Nach mehreren Flops, beispielsweise fiel die Offenbachoperette „Orpheus in der Unterwelt“ beim Zwickauer Publikum mit Pauken und Trompeten durch, war es für die Zwickauer Theaterleute hoch an der Zeit, die Reißleine zu ziehen. Nun: Das Ensemble versetzt die Gewandhausbühne mit viel Spiellust dieses Mal in ein rauschendes Fest der Sinne und auch an unterhaltsamen Gags fehlt’s in der Straußoperette nicht, Unterhaltung pur und doch lächelt verschmitzt der Schalk durch die Handlung mit den betrogenen Betrügern. Das Orchester unter der Stabführung von Tobias Engeli schwelgt in Walzer- und Csardasmelodien, holt gefühlvoll aus und schmettert aus allen Röhren ins Finale der Champagnerarie. Dabei hatten die Vorzeichen kurz vor knapp nicht gut ausgesehen. Noch am Mittwoch vor der Premiere wurde bekannt: Der Intendant Roland May hat den Regisseur Kay Link und seine Ausstatterin Olga von Wahl gefeuert, May hatte bei der Kostümprobe gemerkt, die Gäste hatten ihm statt der bestellten festlichen Operette eine düstere und existenzialistisch angehauchte Atmosphäre untergejubelt. Den Rest der Inszenierung korrigierte der Intendant unter Mitarbeit des Zwickauer Erfolgsregisseurs Rainer Wenke. Kaum war das bewältigt, dann auch das noch: Johannes Wollrab als Eisenstein hielt sich nur mit starken Medikamenten auf den Beinen, und nach der Pause trat der Operndirektor Stefan Bausch vor den Vorhang, und bat um Verständnis, dass sein Hauptdarsteller Wollrab eventuell die letzte Stunde nicht überstehen würde. Das ging am Ende zwar gut, aber während des Schlussbeifalls hing der gute Mann wie ein Boxer nach zwölf Runden zwischen Rosalinde und Adele an den Armen und wartete darauf, dass er endlich die Flügel streichen konnte. ![]() Der Tenor Wollrab, trotz Krankheit, drei Stunden aufs Beste
den vermeintlich cleveren Lebemann gegeben.
Von seinem Freund Dr. Falke aufs Glatteis gelockt, trifft der Filou auf dem Fest des Grafen Orlofsky seine Ehefrau Rosalinde, die in der Maske einer ungerischen Aristokratin auftritt. Pech nur, dass er sie nicht erkennt.
Nur der Gastgeber Prinz Orlofsky, rechts, traditionell als Hosenrolle besetzt, wird von Natalie Senf aufs Köstlichste umgesetzt. Orlofsky braucht niemand etwas vorzuspielen, er ist ein reicher Snob und langweilt sich schrecklich. „Ich lade gern mit Gäste ein“ …“’s ist halt bei mir so Sitte – Chacun a son gout, wer mir beim Trinken nicht pariert – sich zieret wie ein Tropf, den werfe ich ganz ungeniert die Flasche an den Kopf“. Natalie Senf scheint die Rolle auf den Leib geschneidert zu sein, ihr Mezzosopran rührt tief.
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