Meinungen zum Theaterskandal in Zwickau


Das Ensemble steht zu Huhn - Presseerklärung des Vorstandes des Landesverbands Sachsen im Deutschen Bühnenverein

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Empörung herrscht unter den Theaterfreunden in Zwickau und Plauen, die Politik feuert den Intendanten, das kommt dem Tod für das erfolgreiche Theater gleich

ZWICKAU, Juli 2008 – Das Theater Plauen-Zwickau schaut auf die erfolgreichste Saison seit 1990 zurück. Da sind sich alle einig: Das ist ein Verdienst des Intendanten Ingolf Huhn. Gerade wurde das Musical „Mozart“ unter seiner Regie mit minutenlangem Standing Ovations gefeiert, da wird der Initiator des Erfolgs gefeuert. Der Aufsichtsrat des Theaters unter dem Vorsitz des Zwickauer Schuldirektors Jens Heinzig verweigert dem Intendanten die Verlängerung seines Vertrages um ein Jahr. Um ein Jahr geht es, zu längeren Laufzeiten kann sich die politisch verantwortliche Szene aus Plauen und Zwickau eh nicht entschließen. Dieser Entschluss des Aufsichtsrates, angeblich weil sich Huhn für die Zeit nach seinem Vertrag in Westsachsen für eine Stelle in Dessau beworben hat, ruft landauf landab Empörung hervor. Der Landsverband Sachsen im Deutsche Bühnenverein erklärt dazu: „… der Landesverband fordert die Gesellschafter und den Aufsichtsrat auf, verantwortungsbewusst eine Fehlentscheidung zu korrigieren und dem Theater eine Situation zu ersparen, die gerade in einer Zeit bewundernswerter Konsolidierung und deutlich wachsender Anerkennung eine kaum zu bewältigende Krise erspart.“ Ein Theater, ohne einen mindestens für eine Spielzeit mit den nötigen Vollmachten ausgestatteten Intendanten sei praktisch handlungsunfähig, praktisch tot. Aber, so hört man Stimmen, vielleicht ist es gerade das, was die Gegner des Theaters wollen. Theo Stiegler nach oben

Informationen nach Angaben des ZDF-Theaterkanals vom Januar 2008



Am vergangenen Dienstag wurde dem Generalintendanten des Theaters Plauen-Zwickau, Dr. Ingolf Huhn, vom Aufsichtratsvorsitzenden der Theater-GmbH in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt, dass sein Vertrag, der am 31. Juli 2008 ausläuft, nicht verlängert wird. Noch eine Woche zuvor wurde die Verlängerung des Vertrages in der Zeitung als ausgemachte Sache und reine Formsache bezeichnet - es ging um eine Verlängerung um ein Jahr, bis zum Sommer 2009.

Dr. Huhn war für fünf Spielzeiten Intendant in Plauen-Zwickau, einem Theater, das nach seiner Entstehung durch die Fusion von Plauen und Zwickau im Jahr 2000 jahrelang als schwierig zu verwalten galt.
Plauen-Zwickau ist das viertgrößte Mehrspartenhaus in Sachsen, in dieser
Spielzeit waren kumulativ bis zum Ende des Monats Dezember 2007 10.000 Zuschauer mehr als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres erreicht - eine Steigerung von 13,4 %, finanziell eine Einnahmensteigerung von 51.000 € gegenüber dem Vorjahr.

Vor einer Woche hatte das Theater mit der Premiere von "Mozart! Das Musical" von Michael Kunze und Sylvester Levay in der Regie von Ingolf Huhn den größten Erfolg, der bislang überhaupt verzeichnet werden konnte.
Durch einen Haustarifvertrag ist ein Großteil der Arbeitsplätze bis 2011 gesichert.

Sa, den 26.01.2008
weitere Informationen zum Theater Plauen-Zwickau:

Musiktheater, Schauspiel, Tanz-theater, Puppentheater, Konzert
GmbH
Theaterleitung
Generalintendant Ingolf Huhn
Verwaltungsdir. Renate Wünsche
1. Spielleiterin Tamara Korber
GMD Georg Christoph Sandmann
Ballettdirektor Bronislav Roznos
Leiter Puppentheater
Heinrich Schulze
Etat (03/04) 18.142.000.- EUR
Zuschüsse 16.121.000.- EUR
Einspielergebnis 11,2 %
Personal 373
Schauspieler: 20, Sänger: 14
Technik: 115, Tänzer: 14
Chor: 32, Orchester: 98
Verwaltung: 27
Besucher (2003/2004) 181.618
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Schreiben des Ensembles an den Aufsichtsrat



Sehr geehrte Damen und Herren,

der Aufsichtsrat des Theaters Plauen-Zwickau hat am Freitag, dem 18. Januar 2008, beschlossen, sich am Ende der laufenden Spielzeit vom derzeitigen Intendanten Dr. Ingolf Huhn zu trennen und die Gesamtleitung des Theaters danach der derzeitigen 2.Geschäftsführerin Renate Wünsche zu überlassen.
Wir vom Ensemble des Theaters Plauen-Zwickau bringen hiermit zum Ausdruck, dass diese Entscheidung zu einem derart späten Zeitpunkt extrem theaterschädigend ist!
Die Planung für die kommende Spielzeit ist blockiert und damit der Spielbetrieb gefährdet.
Zur Zeit sind wir mitten in der wohl erfolgreichsten Spielzeit seit der Fusion. Darüber hinaus identifizieren wir uns mit dem künstlerischen Anspruch des Hauses.
Wir sind sicher, dass das Niveau im künstlerischen und sofort auch im wirtschaftlichen Bereich nicht gehalten werden kann, wenn der theaterfremde Beschluss des Aufsichtsrates bestehen bleibt und die Theaterleitung an ihrer entscheidenden künstlerischen Stelle so kurzfristig für die kommende Spielzeit geschwächt wird.
Ingolf Huhn muss bleiben - mindestens für die Spielzeit 2008/2009!
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Deutscher Bühnenverein Landesverband Sachsen


Presseerklärung des Vorstandes des Landesverbands Sachsen im Deutschen Bühnenverein zur Situation am Theater Plauen Zwickau gGmbH
In einem Brief an die Gesellschafter und den• Aufsichtsrat der Theater Plauen-Zwickau gGmbH hat der Vorstand des Landesverbandes Sachsen im Deutschen Bühnenverein seine Empörung über den Vertrauensentzug und die kurzfristige Nichtverlängerung des Intendantenvertrages für Dr. Ingolf Huhn zum Ausdruck gebracht. Den für diese völlig unerwartete und• allen vorherigen Absichtserklärungen und Verlautbarungen widersprechenden Entscheidung Verantwortlichen wurde mitgeteilt:

- dass Dr. Ingolf Huhn als langjährig in Sachsen tätigem erfahrenen Theaterleiter das volle Vertrauen seiner Kollegen gehört und dass sich seine nicht einfache Arbeit bei der Aus- und Umgestaltung eines fusionierten Theaters hoher Anerkennung der für Theater und Orchester im Freistaat Verantwortlichen gewiss sein kann.

- dass die Vorwürfe, Dr. Huhn habe das Vertrauen des Aufsichtsrates und der Gesellschafter durch den diskreten Umgang mit seiner Dessauer Intendanz-Bewerbung missbraucht, ungeheuerlich ist, weil es im Interesse der Theater liegt, dass sich erfahrene Intendanten für die Zeit nach dem Ablauf ihres Vertrages für eine Übernahme der künstlerischen Verantwortung an einem anderen Hause entscheiden und zur Verfügung stellen. Die Geheimhaltungsvereinbarung im Bewerbungsverfahren gilt dabei nicht nur für die mit der Auswahl beauftragten Rechtsträger.

- dass der Eindruck, Dr. Huhn habe sich aus einem laufenden Vertrag heraus an anderem Ort beworben, falsch ist, weil selbst die im Januar ursprünglich zur Unterschrift angebotene Vertragsver!ängerung in Plauen-Zwickau bis 2009 die Dessauer Bewerbung nicht berührt hätte. Zu einem länger datierten Vertrag waren die Gesellschafter wegen des ständig neu zu verhandelnden Grundlagenvertrages nicht in der Lage und trotz beiderseitiger Interessenbekundung auch nicht bereit.

- dass die Beschädigung der verdienstvollen Persönlichkeit Dr. Huhn — vor allem auch durch die Medienberichte — eine schwerwiegende und von Nachhaltigkeit zu befreiende ist, und dass Dr. Huhn nicht nur den moralischen Anspruch auf eine Erfüllung bzw. zumindest eine zeitlich übliche Abwicklung seines Vertrages (2 Jahre vor Auslaufen) hat, sondern auch jenen auf Wiederherstellung seines beschädigten Rufs.

- dass die Begründung, eine unter der gegebenen Vertraulichkeit erfolgte Bewerbung an einem anderen Theater sei ein Vertrauensbruch, den Zorn und die Empörung selbst des Bundesvorstands des Bühnenvereins hervorgerufen hat, weil damit ein Präzendensfall geschaffen wird, der bisher einmalig ist und an den Grundfesten des deutschen Stadttheatersystems zu rütteln versucht.

- dass ein Theater, ohne einen mit den mindestens eine Spielzeit vor Beginn der
Amtszeit mit den nötigen Vollmachten ausgestatten Intendanten, nahezu
handlungsunfähig ist, da jeglicher Spielraum für personelle und künstlerische
Entscheidungen entfällt und sich die im Vertrag befindlichen Künstler um die
Motivation ihrer Entscheidung für ein Engagement getäuscht sehen.


Der Vorstand des Landesverband Sachsen im Deutschen Bühnenverein fordert die Adressaten des Schreibens, die Gesellschafter und den Aufsichtsrat auf, verantwortungsbewusst eine Fehlentscheidung zu korrigieren und dem Theater eine Situation zu ersparen, die gerade zu einer Zeit bewundernswerter Konsolidierung und deutlich wachsender Anerkennung eine kaum zu bewältigende Krise erspart. Dazu wurde auch die Bereitschaft zu vermittelnden Gesprächen angeboten.


Zwickau, 29.01.2008

Vorstand des Landesverbandes Sachsen im Deutschen Bühnenverein
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