Das Ende eines Nadelöhres für den Verkehr am Fuß des ErzgebirgesTunnel neben Zwickauer Innenstadt kostet 29 Millionen Euro
ZWICKAU – Die Stadt Zwickau hat seit gestern ein neues Vorzeigeobjekt: Ein 400 Meter langer Tunnel mit vier Verkehrsspuren tritt an die Stelle eines berüchtigten Nadelöhres im Nord-Südverkehr. Der Zwickauer Oberbürgermeister Dietmar Vettermann und der Sächsische Staatsminister für Umwelt Wöller durchschnitten das Band zur Verkehrsfreigabe des Tunnels, der die wichtigste Zwickauer Verkehrsader zwischen Innenstadt und Mulde auf vierhundert Metern unter die Erde verlegt. Das Bauwerk, Kosten 29 Millionen Euro, schließt nun eine Lücke auf der Bundesstraße 93 zwischen dem westlichen Erzgebirge um Aue und Schwarzenberg bis hin zum tschechischen Karlsbad und dem Leipziger Raum. Nicht zuletzt das Volkswagenwerk in Mosel wird davon Nutzen haben, denn bisher war für Zulieferer des Werkes eine Ansiedlung südlich von Zwickau tabu: Zu groß war das Risiko, dass Lieferungen von dort in der Muldestadt stecken bleiben könnten. Die Leitung von Volkswagen Sachsen hatte deshalb auf die Beseitigung dieser Engstelle gedrungen. Seit 1994 die B93 vierspurig von der Bundesautobahn A4 bei Meerane bis Zwickau ausgebaut wurde, blieb das Reststück auf Höhe der Zwickauer Innenstadt ein dauerndes Ärgernis.
Schnippelbrigade zur Tunnelfreigabe unter anderem mit Oberbürgermeister Vettermann, rechts, und Umweltminister von Sachsen Roland Wöllner, zweiter von rechts.
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![]() . Die Aushubarbeiten für den Tunnelbau neben der Innenstadt von Zwickau haben begonnen.Foto: Stiegler |
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Bundesstraße 93 verschwindet neben der Zwickauer Innenstadt für 30 Millionen Euro über 400 Meter unter die ErdeZWICKAU, am 9. November 2006 – Mit der Grundsteinlegung für einen vierspurigen Straßentunnel neben der Zwickauer Innenstadt begann gestern die letzte Etappe beim Bau der Bundesstraße B93. Eine illustre Baubrigade schwang die Maurerkellen, um die Hülse mit Tageszeitung, Bauplänen und aktuellen Münzen im Fundament zu versenken. Oberbürgermeister Dietmar Vettermann, Sachsen Umweltminister Stanilaw Tillich, Regierungspräsident Karl Noltze zeigten sich froh über den Baubeginn an einer der letzten Engstellen der Bundesstraße. Vierspurig kommt die Straße von Norden aus der Leipziger Richtung bis zur Mauritiusbrücke in Zwickau, dann wird’s eng, auf zwei Spuren quält sich der Lindwurm die 800 Meter neben der Innenstadt vorbei bis zur Glück-auf-Brücke um sich dann wieder auf vier Spuren in Richtung Schneeberg zu entspannen. Viele Jahre war die Engstelle neben der Zwickauer Innenstadt ein Ärgernis, die Kraftfahrer schimpften unter den Dauerstau, die Anwohner litten unter Lärm und Abgasen und die Muldenpromenade war von der Innenstadt durch die viel befahrene Verkehrsader getrennt. Täglich werden hier über 20.000 Kraftfahrzeuge gezählt. Die Verkehrsader verbindet das Erzgebirge um Schneeberg, Aue, Schwarzenberg und bis nach Karlsbad in der Tschechei mit Westsachsen und damit auch mit Volkswagen Mosel. Die Volkswagen AG war es auch, die den meisten Druck gemacht hat, damit das Endlosvorhaben nun endlich fertig wird. Umweltminister Stanislaw Tillich: „Es ist übrigens das Bauwerk wo Verkehrsprobleme und Hochwasserschutz aufs Engste miteinander verbunden werden.“ Der Tunnel wird nach seiner Fertigstellung nicht nur Deckel über die Straße sein, sondern auch gleichzeitig als Damm gegen künftige Hochwasser wirken. Die Landestalsperrenverwaltung gibt deshalb 4,9 Millionen Euro zum Bau dazu. 1954 war der Muldendamm gebrochen und in der Zwickauer Innenstadt stand das Wasser drei Meter hoch. ![]() Maurerbrigade Vettermann-Tillich beim Grundsteinlegen Oberbürgermeister Dietmar Vettermann feiert das Datum nun auch als Sieg. Während für den 30 Millionen teuren Bau vom Freistaat Sachsen seit Jahren die Ampeln mit 90 Prozent Förderung auf grün standen, waren es im wesentlichen Zwickauer selber, die Querelen machten. Meist ging der Streit um den Eigenanteil an den Kosten, die eine Reihe von Stadträten aus verschiedenen Fraktionen lieber für Schulsanierung einsetzen wollten. Lange Zeit stand deshalb das Projekt auf der Kippe. Noch im August 2004 wollten die Stadträte der PDS und der AG Zwickau mit einem Antrag im Stadtrat den Tunnelbau stoppen. Mit 22 Stimmen der SPD und der CDU gegen 22 der PDS und der AG Zwickau stand es patt. Was hieß: Es geht weiter. Nun hat der Streit ein Ende und Vettermann hofft: „Es wird sein wie so oft, wenn der Bau fertig ist und alle sich darüber freuen, will keiner jemals dagegen gewesen sein.“ Bis dahin sollen auf dem Tunnel dann auch Bänke stehen, Wege zum Wandern und Spazieren an der Mulde einladen. Theo Stiegler ![]() Pressemitteilungen SMUL - SÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDWIRTSCHAFT 08.11.2006 10:12 Umwelt | Wirtschaft Zwickau soll künftig vor Jahrhunderthochwasser geschützt werden Tillich: „Zwickau gewinnt durch Deichneubau mehr Sicherheit“ Umwelt- und Landwirtschaftsminister Stanislaw Tillich hat heute (Mittwoch, 8. November) den Grundstein für den Bau eines stabilen Deiches an der Zwickauer Mulde gelegt. „Damit gewinnt Zwickau ein großes Stück mehr an Sicherheit“, so der Minister. Ziel sei es, die Stadt bei der Hochwasservorsorge zukunftssicher zu machen. Durch neu angelegte Wirtschaftswege und die abgeflachte wasserseitige Deichböschung werde der Deich besser zu bewirtschaften sein. „Mit dem Deichneubau wird die Lücke der Bundesstraße B 93 geschlossen“, so Verkehrsminister Thomas Jurk. Das bringe eine Entlastung für die Anwohner im Stadtgebiet Zwickau. Die Gesamtkosten betragen 33,6 Millionen Euro. Davon gibt der Freistaat für den Hochwasserschutz 4,8 Millionen Euro aus. Nächstes Jahr im November soll der Bau fertig gestellt sein. Nach dem sächsischen Hochwasserschutz-Investitionsprogramm werden in Zwickau weitere Deiche saniert und neugebaut. Dafür stellt Sachsen insgesamt 9,55 Millionen Euro zur Verfügung. Zuletzt war Zwickau durch die Mulde 1954 weitgehend überschwemmt. Die dann erbauten Deiche konnten die Stadt zwar 2002 vor dem Hochwasser schützen, waren aber danach in ihrer Standfestigkeit beeinträchtigt Pressemitteilung des Regierungspräsidiums Chemnitz Neunzig Prozent Förderung für „Herzensangelegenheit“ RP Chemnitz fördert B 93-Lückenschluss in Zwickau mit 19,74 Mio. € - Landestalsperrenverwaltung gibt 4,17 Mio. € dazu Mit der heutigen Grundsteinlegung für den ca. 780 Meter langen Lückenschluss zwischen Glück-Auf-Brücke und Mauritiusbrücke in Zwickau, die auf 380 Metern Länge als Tunnel ausgeführt, vierspurig ausgebaut und in die beiderseits vorhandenen, bereits modernisierten Trassenteile integriert wird, endet heute eine fast neunjährige Planungsphase. An diesen langen Weg, der mit dem heutigen Tag endet und gleichzeitig in neuer Qualität fortgesetzt wird, erinnerte auch Regierungspräsident Karl Noltze, wenn er anmerkt: „Oft liegen einem ja Projekte, die nicht eben einfach auf den Weg zu bringen waren, ganz besonders am Herzen. So gesehen kann ich von mir ehrlichen Gewissens behaupten, dass der Lückenschluss der Bundesstraße B 93 hier in Zwickau, dass mir diese Tunnellösung, für welche wir heute die Grundsteinlegung feiern dürfen, schon seit längerem eine Herzensangelegenheit ist.“ Die herausragende Bedeutung dieser Baumaßnahme für die Stadt Zwickau und deren Umland ergibt sich aus den zwei zentralen Zielstellungen: So soll eine durchgängig hohe Leistungsfähigkeit dieser wichtigen Verbindungstrasse hergestellt und diese in ihrem gesamten innerstädtischen Verlauf an moderne Verkehrsanforderungen angepasst werden. Die Bundesstraße B 93 ist bekanntlich die wichtigste Verbindungstrasse zwischen den Bundesautobahnen A 4 und A 72 und damit zugleich zwischen dem Raum Erzgebirge/Vogtland einerseits und der mitteldeutschen Region um Leipzig und Halle andererseits. Zudem nimmt die B 93 auch zentrale innerörtliche Verbindungs- und Zubringerfunktionen in Zwickau wahr. Den daraus resultierenden hohen verkehrlichen Anforderungen und Belastungen konnte die „alte“ B 93 schon seit längerem nicht mehr gerecht werden, sie war regelmäßig völlig überlastet. Die Kosten, die für diesen Lückenschluss aufgewendet werden müssen, sind beträchtlich, werden aber durch die positiven Effekte eines leistungsfähigen, dann durchgängig vierspurigen Ausbaus legitimiert. Bei Gesamtkosten von 29 Mio. € werden die zuwendungsfähigen Kosten in Höhe von 21,7 Mio. € zu einem – heutzutage durchaus nicht selbstverständlichen – Anteil von 90% gefördert. Dies entspricht dem stolzen Betrag von über 19,7 Mio. €, der durch das Regierungspräsidium Chemnitz aus Mitteln auf Grundlage des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes sowie aus Mitteln des Freistaates Sachsen bewilligt werden konnte. Hinzu kommen weitere rund 4,2 Mio. €, welche durch die Landestalsperrenverwaltung des Freistaates Sachsen für die Realisierung der Hochwasserschutz-Komponente dieser dualen Maßnahme bereitgestellt werden. Regierungspräsident Karl Noltze äußerte sich im Vorfeld der heutigen Grundsteinlegung zu den positiven Folgen der heute beginnenden Baumaßnahme: „Mit der Realisierung dieses letzten Bauabschnitts kann die Bundesstraße B 93 ihrer Funktion als Rückgrat des Hauptstraßennetzes der Stadt Zwickau dann endlich vollauf gerecht werden. Die derzeitige, völlig unbefriedigende Situation auf diesem bisher nicht ausgebauten innerstädtischen Abschnitt wird einer sehr soliden und zukunftsorientierten Lösung zugeführt. Zugleich wird eine merkliche Entlastung des nachgeordneten Straßennetzes die Folge sein, wodurch auch die Wohnqualität in der bislang erheblich mit Lärm und Abgasen belasteten Wohnbebauung des Zwickauer Stadtzentrums spürbar steigen wird. Schließlich wird auch die in und um Zwickau ansässige Wirtschaft, werden Industrie, Handwerk und Gewerbe deutlich von kürzeren Transport- und Lieferzeiten profitieren.“ Olaf Weiß - Regierungspräsidium Chemnitz Pressesprecher Fahrbahn unter dem Niveau der Zwickauer Mulde - Tunnel soll gleichzeitig als Hochwasserschutzwall dienenZwickau im September 2006 - Nachdem die Bundesstraße B93 1994 als vierspurige Autobahn zwischen der Autobahn A 4 bei Meerane und der Mulde in Zwickau fertiggestellt wurde, das war damals die Forderung von Volkswagen und die Bedingung für den Bau des Volkswagenwerkes bei Mosel, begann jetzt im September ein letztes Kapitel für den Bau der B93 in der Stadt Zwickau: Der Bau des Tunnels, der die Innenstadt von Zwickau vor Lärm und Abgasen schützen soll. Gleichzeitig wird mit dem Tunnel ein Wall gegen die Hochwasser der Zwickauer Mulde entstehen. Last not least - mit der Überdeckelung der Bundesstraße neben der Innenstadt erhalten die Zwickauer den verkehrsfreien Zugang von der Innenstadt zur Mulde mit Parkanlagen, Radweg und eventuellen Badestrand, einen solchen hatte es im 19. und 20. Jahrhundert schon gegeben: Dort wo jetzt die Tunnelbaustelle zu sehen ist, stand früher der "Badegarten". Der Tunnel wird knapp 500 Meter lang. Er beginnt an der Paradiesbrücke und endet vorm Schloss Osterstein. Mit den Rampen, die den Verkehr auf das Niveau von 7 Metern unter der jetzigen Straße bringen, wird das Bauwerk insgesamt 780 Meter umfassen. Peter Zimmermann vom Tiefbauamt sieht mit dem Tunnel auch den bisher besten Schutz für die Stadt Zwickau gegen Hochwasser entstehen. Dass der Tunnel selbst irgendwann absäuft sehen die Bauleute als unwahrscheinlich an. "Das Wasser müsste dann einen Meter über den höchsten bisher bekannten Pegel der Mulde ansteigen", sagt Hagen Geier von der Bauverwaltung. Die Geschichte des Tunnelbaus ist turbulent: Nachdem 1994 die Steuerung des Baus der Verkehrsinfrastruktur aus den Händen von Volkswage an die kommunale und die Landespolitik geraten war, begann ein Spielchen mit zahlreichen Varianten und Spekulationen. Nebenbei gab es viele verquatschte Gelegenheiten zum Bau des Tunnels, Interessen verschiedener Bauträger führten zu endlosen Einsprüchen und Klagen über Vergaben, die letzte noch im Sommer diesen Jahres. Die Bundesstraße B93 hat neben der Verbindung zwischen Autobahn A4 und Volkswagen Sachsen überregionale Bedeutung. Sie stellt die Verbindung zwischen den Großraum Leipzig und der Tschechei her. Sie führt von Leipzig über das thürigische Altenburg und Zwickau ins Erzgebirge, wo sie die Regionen um Schneeberg, Schwarzenberg und Eibenstock ins Böhmische. Städte wie Karlsbad und Chomotau sollten über die Trasse, die jetzt eher eine Hindernissstrecke ist, schnell erreichbar sein. ![]() Das Modell zeigt die Mulde, die künftig durch Parkanlagen mit der Innenstadt von Zwickau verbunden wird. Die jetzt noch als Trennung zwischen Stadt und Muldenufer verlaufende Bundesstraße B93 verschwindet unter einem Deckel in einem Tunnel.
Noch schlenkert der Verkehr vor dem Schloss Osterstein in einer engen S-Kurve, um dann knapp an der Innenstadt vorbeizuziehen.
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