Der Audi 920 - 1939 Rückkehr zum konservativen Erfolgsrezept

Volle Bestelllisten werden durch Kriegsausbruch ausgebremst

siehe auch Automobilmuseum August Horch und - 100 Jahre Automobile aus Zwickau oder Odyssee eines Horch 480 - zur offiziellen Museumsseite - Karosseriebauer Kurt Berge, 100 Jahre alt und 50 Jahre Karosseriebauer bei Gläser, besucht das Museum - Alle Auto Union Silberpfeile anlässlich 75 Jahre Auto Union im Automobilmuseum - 75 Jahre Frontantriebe aus Zwickau
- siehe auch Ausstellung "Horch ein Audi" und weitere Termine im Automobilmuseum "August Horch"
- 50 Jahre Trabant
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Der Audi 920 in der Ausstellung des August-Horch-Museums in Zwickau.
foto: Stiegler

Presse-Information

Zwickau, 9. September 2009


Der Audi 920 – ein Erfolgskonzept belebt die Marke



Der technisch unausgereifte Frontantrieb, der sich für höhere Motorleistungen als zu schwach erwies, bewog die Betriebsführung, von einer Weiterführung des Frontantriebsprogramms (Modelle Audi Front 8/40 PS Typ UW und Audi Front 225) Abstand zu nehmen.
Die favorisierte Neuausrichtung des Audi Programms mit sportlicher Charakteristik, eingedenk der großen Alpenfahrterfolge, mußte sich logischerweise auf den bewährten Heckantrieb konzentrieren. Diese Erkenntnis beschäftigte seit 1936 den technischen Vorstand des Konzerns und er vergab an das ZKB (Zentrales Konstruktionsbüro) einen entsprechenden Entwicklungsauftrag. Nachdem im April 1938 das einst mit viel Hoffnung begonnene Frontantriebskonzept der Mittelklasse zu Grabe getragen worden war, widmete man sich sehr intensiv dem geplanten Modellwechsel. Die Normierung im Karosseriedesign und Fahrwerksbau ergab ein Nachfolgemodell, das in wesentlichen Details dem Wanderer W 23 entsprach und nur über abweichende Gestaltung bei Heck und Vorbau optisch eine Eigenständigkeit aufwies.
Hatte man bisher in traditioneller Orientierung auf Bequemlichkeit und Komfort gesetzt, bewirkten die Reklamationen der zu geringen Motorleistungen einen generellen Sinneswandel in der grundsätzlichen Ausrichtung. Ein starker Wagen mit sportlicher Charakteristik sollte es künftig sein. Dabei unter Verwendung des bewährten Pulsgetriebes, das sowohl automatisch und manuell geschaltet werden konnte, allerdings kostenmäßig weit über den bisherigen Standardkonstruktionen lag und außerdem eine völlig neue Hinterachskonstruktion erforderte. Damit vorprogrammierte zeitliche Einsatzverschiebungen paßten nicht in das Kalkül. Das neue Modell erhielt demzufolge das bereits im Einsatz befindliche Allsynchrongetriebe AK 4 S 20 der Zahnradfabrik Friedrichshafen.
Aus einem Sechszylinderentwicklungsprogramm für die Horchwerke entstammte das 3,2 Liter Triebwerk, das 75 PS abgab und im Aufbau einem verkürzten Horch Reihenachtzylinder entsprach. Neu war die Bestückung mit einem Zweistufen-Registervergaser, der erst im letzten Drittel für eine volle Leistungsentfaltung sorgte.
Öffentlich präsentiert werden konnte die Neuentwicklung erst zur Internationalen Automobil- und Motorradausstellung in Berlin 1939, da laut Beschluß des Unternehmerverbandes der Kraftfahrzeugindustrie auf der gleichen Ausstellung des Jahres 1938 nur Modelle aus der laufenden Serie gezeigt werden durften.
Um einen entsprechenden Vorlauf für die zu erwartende Nachfrage nach der Ausstellung zu garantieren, legte die Konzernleitung den Produktionsbeginn auf den Oktober 1938 mit einer Anlaufstückzahl von 30 Wagen fest. Um zwei Monate verzögert, begann im Dezember die eigentliche Serienfertigung.
Was dem Audi Front versagt blieb, erreichte der 920 auf Anhieb. Ausgezeichnete Fahrleistungen und eine hervorragend gestaltete Karosserie verkörperten einen gekonnten und gelungenen Wurf und brachten den alten Eliteanspruch von Audi auf völlig neue Weise zum Ausdruck.
Bemerkenswert für das starke Interesse der Käuferschar ist auch die Tatsache, daß von den 230 Wagen, die bis zum 7. Januar 1939 verkauft wurden, 50 Stück aus dem Katalog an Käufer gingen, die diesen Wagen vorher weder körperlich gesehen noch gefahren hatten.
Die starke Nachfrage im In- und Ausland ließ die monatliche Stückzahl auf 125 Wagen ansteigen, wobei 30 % auf die bei Horch gefertigten Limousinen und 70 % auf die Kabrioletts der Firma Heinrich Gläser (Dresden) entfielen.
So hätte ein unvorhergesehener Aufschwung der Marke Audi mit neuem Image beginnen können, wenn nicht der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges solchen Ambitionen jäh und dauerhaft einen Riegel vorgeschoben hätte. Gemäß der von Oberst von Schell (Generalbevollmächtigter für das Kraftfahrwesen) vorgeschriebenen Auslaufprogramme für alle Zivilfahrzeuge sind auch vom Audi 920 alle disponierten Serien vollständig zu Ende produziert worden. Vom Dezember 1938 bis April 1940 gingen bei Horch 464 Limousinen, 806 Kabrioletts und 11 Chassis vom Band.
Die Verwendung der 11 Chassis läßt sich heute nicht mehr nachvollziehen, es ist lediglich dokumentiert, daß davon 4 Stück ausgeliefert wurden an die Karosseriefirmen Gustav Hornig & Co. in Meerane, Heinrich Gläser in Dresden sowie Erdmann & Rossi in Berlin als Unterbau für spezielle Zweisitzerkabrioletts.
Dem Audi 920 erging es ebenso, wie vielen anderen Fahrzeugen jener Zeit. Im Krieg requiriert, überlebten nur wenige das Inferno.
Der in Zwickau beheimatete Wagen wurde am 25. Juli 1939 mit einer rot-schwarz lackierten Gläserkarosserie fertiggestellt. Er verblieb als Dienstfahrzeug im Firmenbesitz bis zu seiner Stillegung 1958.


Das August Horch Museum ist jeweils Dienstag bis Sonntag von 9.30 bis 17.00 Uhr geöffnet. Führungen können telefonisch unter (0375) 27 17 38 12 bestellt werden.


August Horch Museum Zwickau GmbH
Tel. (0375) 27 17 38 10
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